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Enno Bunger

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Album "Wir sind vorbei" VÖ 09.03.2012

Single "Euphorie" 

 

Audiolink "Blockaden"

 

 

"Ein neuer Tag öffnet mir meine Augen. Alles strahlt in goldenem Licht“, so hoffnungsvoll und optimistisch eröffneten der Sänger und Pianist Enno Bunger mit Bassist Bernd Frikke und Schlagzeuger Nils Dietrich ihr Debütalbum „Ein bisschen mehr Herz.“ Das war 2010. Zwei Jahre später umhüllt den Künstler die Schwärze des Dunkels. „Nichts ist für immer“, klagt es aus dieser Düsternis im Stück „Leeres Boot.“ Folgerichtig betitelt die Band ihre aktuelle Liedersammlung „Wir sind vorbei.“

Ende. Aus. Vorüber.

Das Ende einer langjährigen Beziehung hat Enno Bunger in ein Loch fallen lassen. Einsam und allein. „Weil ich autobiografisch schreibe, konnte es nicht ausbleiben, dass aus diesem Trennungsloch heraus reflektiert wurde und so erste Stücke entstanden“, erklärt Enno Bunger die Zwangläufigkeit des Themas, „erst beim konkreten Schreiben habe ich gemerkt, dass eine Trennung unglaublich viel Stoff hergibt. Stoff, den ich einfach verarbeiten musste.“ Bei der ersten Platte ging es um Selbstmotivation. Darum, die Gegenwart zu gestalten. Dabei mehr Ausdauer zu haben. Mehr bei der Sache zu sein. Sich auf das Wesentliche zu reduzieren. Nur so war die Band frei und ihr die Energie zugänglich, die im ersten Album steckt. Machten sich diese Stücke leicht, luftig und wohlig perlend auf den Weg in die Gehörgänge, so ist das auf „Wir sind vorbei“ anders. Ganz anders. „Es ist ein sehr viel persönlicheres Album geworden“, resümiert er, „in den Stücken wollte ich eine mir unglaublich wichtige Zeit festhalten. Eine, die schön, intensiv und zuletzt sehr traurig war.“ Dieser Stimmung folgt die Musik. Sie wird fast zu einer Vollversammlung der Moll-Tonarten.

Kein Fröhlichreiter

Die Moll-Tonarten haben es Enno Bunger schon immer angetan. „Die Liebe zu Moll, habe ich schon als Kind entdeckt“, verdeutlicht er. „In Moll gehaltene Ansichten, ganz egal in welcher Kunstform, sind für mich oftmals glaubwürdiger, als die der ganzen Fröhlichreiter “. Enno Bunger und seine Mitmusiker haben auf  „Wir sind vorbei“ die ganze Tragik, Dramatik und Ausweglosigkeit des Trennungsschmerzes festgehalten. Und mit ihren musikalischen Mitteln das dazugehörige Gefühl der ganz großen Leere eingefangen. Am Ende des Weges addieren sich zahlreiche Momentaufnahmen zu einem Soundtrack für das Ende. Entstanden ist die CD aus der Rückschau. „Regen“ ist so ein besonderes Stück: Das Lied setzt sich damit auseinander, wie es ist, wenn man merkt, dass in der Beziehung zueinander etwas nicht mehr stimmt. Wenn man erste Risse spürt. „Regen“  beschreibt dieses Nichtfassenkönnen dessen, was da geschieht. Das musikalische Nachdenken darüber ist notwendigerweise sehr privat. Sehr intim. „Unbedingt. Aber es ist auch etwas, das nicht nur raus wollte, sondern auch etwas, dass ich musikalisch verarbeiten musste“, stellt Enno Bunger eindeutig klar, „ob das jemandem Fremdes zu intim ist, ist eine andere Frage, aber keine, die ich mir gestellt habe.“ Diesem Nichtstellen ist es zu verdanken, dass Enno Bungers liedhafte Beschreibung bedeutender Momente des Lebens, auch die einer Trennung etwas sehr Schönes und auch Vollkommenes haben. Es geht um nicht weniger, als um Leben. Pures Leben. Das wissen auch Enno Bunger und seine Mitstreiter. Und wer die Zuversicht, die das erste Album ausstrahlt, teilt, der tut dies auch mit den Augenblicken der Trauer.

Klangbilder in Cinemascope

Wer von Vollkommenheit redet, denkt an große Bilder. An opulente Bilder. Da geht es Enno Bunger und seiner kleinen aber schlagkräftigen Band nicht anders. Folgerichtig schaffen sie diese wunderbar atmosphärischen Klangbilder. Hinreißend und ergreifend interpretierten sie diese melancholische Stimmung und füllen damit die Lieder randvoll. „Instrumentale Üppigkeit ist uns inneres Bedürfnis, etwa massive Chöre oder großgezogene Bläser“, sagt Enno Bunger, während ein Lächeln der Freude seine Lippen umspielt, „groß zu arrangieren und dem kleinen Moment die große Emotion schenken, das ist neben großer Lust auch eine echte Aufgabe.“ Enno Bunger entführt die Kraft und die Wirkung solcher monumentalen Klanggemälde in eine selten gehörte Dimension des Cinemascopeklangs. Die Fähigkeit dazu entstammt seiner Tätigkeit als Kirchenorganist. „Ein Organist wird immer mit einschneidenden persönlichen Erlebnismomenten konfrontiert: Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen“, vergegenwärtigt er sich diese Situationen, „was sehr berührt, weil man spürt, wie sehr die Leute emotional dabei sind.“ Wer, wie Enno Bunger, um die Wichtigkeit solcher Momente weiß, der komponiert auch seine eigenen Lieder vor diesem Hintergrund. Im Stück „Abspann“ spielt er mit der Metapher des Filmabspanns, bei dem man meist das Kino schon verlässt. Im Lied aber fesselt sich Enno Bunger an den Sessel und zwingt sich, die Namen der Beteiligten des abgelaufenen Films noch einmal zu lesen. Dabei liest er auch die Textzeilen: „Wir fragen uns seit Tagen, bleiben oder gehen. Ich kann es nicht ertragen, dich so leiden zu sehen. Manchmal ist die Wahrheit beileibe nicht bequem. Manchmal die Lösung viel schlimmer als das Problem.“

Diese Flammenschrift brennt ihm den Boden des Lebens unter den Füßen weg. Dann gibt es noch Stücke, wie „Die Flucht.“ Vermutlich das treibendste und schnellste Lied, das Enno Bunger je geschrieben hat. „Nicht jeder Schmerzstich führt zur Melancholie“, weiß er, „mancher auch zu Wut. Und die erhöht die Taktfrequenz.“

Auf ein letztes Wort

„Wir sind vorbei“, könnte 2012 der Satz sein, mit dem eine ganze Generation per SMS über das Handy Schluss macht. So werden Enno Bungers Lieder aus dem Album „Wir sind vorbei“ gleichzeitig zum meist gespielten Soundtrack des Scheiterns. Dass im Traurigen auch immer Schönheit steckt und die Zeit immer gegen die Trauer arbeitet, dass ist auch für Enno Bunger und seine Band keine unbekannte Größe. Da Enno Bunger während des Kompositionsprozesses den positiven Metaphern nicht entkommen kann, verbirgt sich hinter manchem Notenhals der Musik, Herrmann Hesses Botschaft: „Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.“ Dafür steht auch in besonderem Maße das Stück „Euphorie“, welches übrigens als letztes entstanden ist. Darin geht es bereits wieder um Flausen der Zukunft, die Enno Bungers Kopf durchwehen. Da fordert die Trauer den Schmerz auf ein letztes Wort und beide schmettern sich „Wir sind vorbei“ entgegen.

 

 

 

Tourtermine: (Enno Bunger solo)

14.01.2012: Köln - Café Brussels
15.01.2012: München - Café Camera 
16.01.2012: Leipzig - Radiokonzert bei Detektor.FM
17.01.2012: Berlin - Michelsberger Hotel
18.01.2012: Kiel - Prinz Willy
19.01.2012: Hamburg - Hasenschaukel
21.01.2012: Meppen - Klavierhaus Dausin & Hartmann          
22.01.2012: Münster - Teichen & Beschleuniger