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David Lemaitre


Künstler

Album: „Latitude (VÖ: 19.04.2013)
Single „Megalomania(VÖ: 12.04.2013)

Videolink „Megalomania – Session“

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Als Musiker“, lächelt David Lemaitre leise, „müssen wir ziemlich viel reisen. ’Goodbye’ ist für uns also ein Wort, welches uns täglich über die Lippen geht. Mich selbst beschleicht auch nicht gerade das Gefühl, irgendwo hin zu gehören. Aber ich genieße das. Ich definiere mich schon lange nicht mehr durch meine Herkunft, sondern weit lieber darüber, wo ich hin möchte.“

Diese irgendwie rastlose Liebe zum Abenteuer zieht sich als verführerischer Unterton auch durch die Songs von Lemaitres Debüt-Album. So es denn ein zentrales Thema dieses Albums gäbe, sagt Lemaitre selbst, läge es in seinem Versuch, „mit Distanzen so spielerisch umzugehen, wie sie es auch mit unseren Leben tun“. Im bolivianischen La Paz geboren und aufgewachsen und inzwischen im mehr als 10.000 Kilometer entfernten Berlin zuhause, weiß Lemaitre ziemlich genau, wovon er spricht. Dabei klingt „Latitude“ nicht etwa komplett unfokussiert, wohl aber nach schwer erkennbaren Einflüssen. Man findet hier verklausulierte Erinnerungen an Sufjan Stevens, an weit zurück liegende Sounds von Serge Gainsbourg, aber auch an Nicholas Jaar. „Sie haben mich dazu gebracht“ sagt Lemaitre, „Texturen als Werkzeuge beim Komponieren zu nutzen. Mir gefällt der Gedanke, alle Instrumente eines Songs als perkussive Elemente zu betrachten und sie gegeneinander antreten zu lassen.“ Daran sei nicht allein seine bolivianische Herkunft Schuld, „das hat auch mit meiner Liebe zu elektronischer Musik zu tun. Ich liebe es, die Geräusche fallender Münzen oder Cornflakes-Kartons aufzunehmen wie in ’Jacques Cousteau’ oder alte Reisekoffer zu sampeln wie in ’Pandora Express’.“

„Latitude“ klingt zunächst täuschend simpel, in Wahrheit aber steckt das Album voller kleiner, manchmal auch niedlicher Details, die auf einen bunten, internationalen Bogen deuten, der Kontinente überquert – ganz wie Lemaitre. Immer wieder kramt der Musiker auch offenbar in Erinnerungen, „ich bekam als Kind so etwas wie eine musikalische Diät verabreicht.“ Die bestand aus der Sammlung von Psychedelic Rock seines Vaters und begann ergo bei Pink Floyd, sie reichte bis zu den mütterlichen Interpretationen melancholischer, lateinamerikanischer Protestsongs und damit bis zu Mercedes Sosa. Seine Mutter war es auch, die ihm die ersten Gitarrengriffe beibrachte.

Später entmutigt von einem Lehrer, der seine musikalische Neugier so gar nicht unterstützen mochte, gründete Lemaitre eine Band und begann, Songs zu schreiben. Er sehnte sich nach der Direktheit kleiner Solo-Konzerte und spielte, einmal in Europa angekommen, auf den Bühnen intimer Cafés und Bars. Er probierte sich aus, flirtete mit Jazz und Elektronika und stellte so sicher, dass seine Musik allmählich zum eigenen Charakter fand.

„Ich liebe Platten, die aus einem Hippie Jam zur Ballade und dann zum Blues werden. Ich bin mir dabei der Stile und Trends überhaupt nicht bewusst, finde aber gerade solche Alben ansprechend, die sich respektlos durch verschieden Genres bewegen“. Er sei schlicht verzaubert von dem, was er „nackte, einfache Musik“ nenne, „ich stelle mir gern Songs als eigenständige Wesen vor, ich selbst versuche dann nur noch, sie möglichst passend zu kleiden“. Was Lemaitre bei der Arbeit an „Latitude“, allein in seinem Studio oder im legendären (Ost-) Berliner „DDR Funkhaus“ formidabel gelang.

Lemaitres Meditationen über die Natur der Liebe und ihre Widersprüchlichkeiten finden ihre Übersetzung in seinen Songs. „Olivia“ thematisiert  als intime Serenade, instrumentiert von einem Orchester brüchiger Geigen, wie untrennbar nahe und doch komplett entfernt von einander man sich zur gleichen Zeit sein kann. Bei „The Incredible Airplane Party“ singt Lemaitre über eine unvergessliche Flugzeugparty ohne Piloten in einem Song der nach einer dunklen und modernen Version der Beach Boys klingt. Der Song karikiert sehr gekonnt die Berliner Partybesessenheit mit einer gigantischen  Klangcollage aus Rasseln, Synthesizern und Anden-Flöten. Und „Magnolia“ wiederum fällt zunächst durch seinen Sound auf, der klingt, als sei das Stück im Innenleben eines verschneiten Pianos entstanden.

Das wahrscheinliche Meisterwerk des Albums, „Megalomania“, lässt eine subtile Wut auf zeitgeistige Werte sich hinter seiner luftigen und unvergesslichen Melodie verstecken. Genau wie Lemaitre selbst kennt „Latitude“ keinerlei Ängste, alle möglichen Grenzen zu überschreiten.

Die Musiker, mit denen Lemaitre seine Musik nun auf die Bühnen bringen wird, spiegeln sein kosmopolitisches Lebensmodell wieder. Joda Foerster bedient eine kleine Armee von Instrumenten, vom Vibraphon über den Synthesizer bis hin zu den besagten perkussiven Reisekoffern, Sebastian Schlecht an Violine, Cello und dem selbstgebauten Weinflaschen-Synthesizer ist ein Deutsch-Japaner und Mathematikgenie. Beim Versuch, so Lemaitre, „die Anmutung eines Orchesters zu erreichen, indem wir uns selbst loopen und so Klanglandschaften errichten“, finden seine Songs die ideale Balance zwischen Melancholie und Optimismus. „Schönheit zu entdecken“, sagt David Lemaitre, „macht einen in gewisser Weise immer auch traurig. Lemaitre hat diese Angst zwar offenbar überwunden, dass er sie aber kennt, bleibt seiner Musik tröstlich anzumerken.

Er selber hofft, mit „Latitude“ und in der Zukunft „geduldige Popmusik“ zu erschaffen. Dazu darf man ihn schon jetzt beglückwünschen.

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