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Grizzly Bear


Music

Album „Shields“ (VÖ: 14.09.2012)

Single-Video „Yet Again“

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Shields, das vierte Album von Grizzly Bear und ihr bislang flüssigstes Werk, widersetzt sich ganz dreist dem schnelllebigen Trend. Gewiss: Die Band aus New York – also Chris Bear, Ed Droste, Daniel Rossen und Chris Taylor – war noch nie dafür bekannt, die Dinge zu überstürzen, Schlag auf Schlag neue Alben zu veröffentlichen. Drei Jahre haben sie nach Horn of Plenty gebraucht, um bei Yellow House zu landen; drei weitere waren es zwischen Yellow House und Veckatimest. Und natürlich gab es zwischen diesen Alben nicht nur lange Tourneen, sondern auch diverse Single- und Split-Veröffentlichungen, EPs und Remix-Scheiben. Doch nach ausgedehnten Konzertreisen zu Veckatimest wurde es schließlich ruhiger um Grizzly Bear, und die vier Mitglieder gingen schließlich sogar eigene Wege – man konzentrierte sich zur Abwechslung mal auf das eigene Leben außerhalb des Bandgefüges.

Das erste Treffen nach der Auszeit fand im vergangenen Sommer in Marfa im US-Staat Texas statt: Ihr lose gefasster Plan lautete, einfach ein wenig zu proben, Demos von neuen Ideen aufzunehmen und dabei auszuloten, wie es um potenzielle Kandidaten für ein neues Album stand. So gut wie nichts davon war wirklich überzeugend, aber das tat auch gar nichts zur Sache: Der Texas-Aufenthalt war wichtig für sie als Band, um sich als alte Freunde wieder einander anzunähern, als Musiker wieder auf eine Wellenlänge zu kommen – denn wenn dem erst mal wieder so war, würden auch die Songideen nicht lange auf sich warten lassen. Entgegen dem Rhythmus der digitalen Welt, ließen sie sich einfach noch ein wenig mehr Zeit.

„Wir alle hatten unterschiedliche Sachen erlebt und standen danach an vollkommen verschiedenen Punkten, das auf jeden Fall“, berichtet Rossen, „und so haben wir einen Großteil unserer Zeit in Marfa dafür genutzt, um uns auszutauschen, Sachen auszuprobieren und zu sehen, was bei den anderen so geht. Wir alle mussten einander wieder neu begegnen.“

Als dann im Januar ihr nächstes Treffen anstand, nunmehr wieder im guten alten Yellow House in Cape Cod, gab es keinen Zweifel mehr: Sie wollten zurück in den Grizzly-Bear-Kosmos, und zwar sofort. Shields ist daher ein Album, das nur deshalb so eindringlich klingt, so viel Nachdruck hat, weil sich alle vier Bandmitglieder ganz bewusst wieder für die gemeinsame Sache entschieden haben.

Zum ersten Mal komponierten sie mehr Songs als nötig waren für ein Album, um diese Ideen dann rigoros und doch penibel zu überarbeiten. Zum ersten Mal schrieben Rossen und Droste gemeinsam neue Songs; der eine nahm die Ideen des anderen, erweiterte sie, setzte sie um und vergrößerte somit das so schon massive Klangspektrum der Band. Und zum ersten Mal entschlossen sie sich dafür, nur diejenigen Ideen weiterzuverfolgen, die sich auch wirklich für eine Kollaboration aller vier Bandmitglieder eigneten. Fragt man sie, welche Melodie, welche Idee auf Shields denn nun von wem stammt, winken sie alle ab und erklären, dass es sich bei diesen Songs erstmals um Tracks handelt, die sie geschlossen als Band komponiert haben. Ihr Ansatz war also ein anderer, und auch das Ergebnis klingt anders: So hat man Grizzly Bear noch nie zuvor gehört.

„Sun In Your Eyes“, jener siebenminütige Song, mit dem Shields ausklingt, basiert auf einer Klaviermelodie, die Ed Droste sich ausgedacht, dann aber verworfen hatte, bis Rossen sie aufgriff, sich zu eigen machte und in wochenlanger Arbeit daran feilte, sie immer wieder auseinander nahm und neu zusammensetzte. Das Resultat ist einer der größten und mutigsten Tracks, den Grizzly Bear je geschrieben haben – ein Stück, das auf genau jener Mischung aus fokussiertem Tatendrang und freiem Sich-Treiben-Lassen basiert, die überhaupt weite Teile von Shields auszeichnet. Obwohl es auf den ersten Blick eher soft wirkt, will „Yet Again“ insgeheim doch als Rockhymne durchgehen, wobei Grizzly Bear in der Bridge auch Dance-Elemente durch ein regelrechtes Klangkaleidoskop brechen; das sich langsam anschleichende „What’s Wrong“ hingegen verlangt nach einer Antwort, wenn Gesang und Streicher sich abwechseln: wie ein Seufzer, der vom Gegenüber mit einem Stirnrunzeln quittiert wird. Diese Offenheit, dieser unbedingte Wille zur ehrlichen, ungefilterten Gefühlsäußerung ist überhaupt ein zentraler Aspekt von Shields, dem zugleich in sich schlüssigsten Album, das Grizzly Bear bislang aufgenommen haben. Untermauert werden diese Worte von einem Sound, der weniger auf absolute Durchdachtheit abzielt, als auf absolute Leidenschaft – was der Tatsache geschuldet ist, dass eine Aufnahme dieses Mal dann als perfekt galt, wenn das Gefühl im Raum perfekt war.

„Die Energie dahinter ist einfach eine ganz andere“, meint Droste abschließend. „Veckatimest war wohl eher artig und brav im Vergleich; damals war der Wunsch, den Gesang ganz ohne Ecken und Kanten zu präsentieren, so groß, dass dadurch wohl zwangsläufig eine Distanz zwischen uns und dem Zuhörer geschaffen wurde. Das neue Album hingegen fühlt sich sehr viel direkter an. Wir legen die Karten dermaßen offen auf den Tisch, dass auf Shields alles für sich selbst spricht.“

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