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Valerie June


Musik

Album „Pushin‘ Against A Stone“
(VÖ: 03.05.2013)

Videolink: Album-Teaser

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Wäre Valerie June ein „Roots Artist“ im Amerika von vor 80 Jahren gewesen – und oft genug singt sie genau so – man müsste sie heute zur Initiatorin unzähliger Retro-Troubadoure erklären. Schon ob des feinfühligen? Amalgams aus Blues, Folk, Gospel, Soul und Bluegrass, den sie formuliert. Geradezu der Prototyp einer Musikerin, die all das bietet, was die junge Generation wie selbstverständlich auf dem iPod mit sich durchs Leben trägt.

Valerie June spielt so etwas wie „Organic Moonshine Roots Music“, den Soundtrack für Parties, bei denen sie auf ihrer Gitarre schrammelt und derbe Delta-Blues- und Country-Verse singt, irgendwo zwischen Dolly Parton und Billie Holiday. Oder ist es doch eher Shirley Goodman, die 1974 so frappierend Disco-like „Shame Shame Shame“ sang?

Hier kommt Valerie June, eine Selfmade-Musikerin aus der 8000-Seelen-Kleinstadt Humboldt, Tennessee, die einem erstaunlich variablen Sound frönt und durchaus eindrucksvolle Inspirationen ihr Eigen nennt: Leadbelly, Whitney Houston, Van Morrison, Woody Guthrie, Nico, Nina Simone, Bob Dylan, Nick Drake, Leonard Cohen, Joni Mitchell, Tracy Chapman, Elmore James, Blind Willie McTell.

„Ich bin halt eine Stunde von Memphis und zwei von Nashville entfernt aufgewachsen“, sagt Valerie im Singsang des Südens, “was also hätte ich tun können? Dem Blues und Country war dort einfach nicht zu entkommen.“ Ihrer Musik hat das keineswegs geschadet, ihr Album „Pushin‘ Against A Stone“ erfüllt einen mittlerweile höchst selten gewordenen Tatbestand: Es ist einzigartig.

Aufgenommen wurde das Werk in Nashville, und zwar im Easy Eye Studio der Black Keys. Als Produzent wirkt deren Mastermind Dan Auerbach – in seinem Metier etwa das, was Rick Rubin oder Dr. Dre in ihren Terrains sind. Assistiert hat ihm Kevin Augunas, der bereits für Florence & The Machine arbeitete. Zu all dem Talent ist für Valerie June also nun auch noch Glück gekommen.

„Ich liebe einfach alte Platten“, sagt die Schönheit mit den Old School-Dreadlocks, „ich mag sie sogar, wenn sie knistern, das geht ja vielen Leuten so. Nach einer Weile mit den modernen, glatt gebügelten Maschinensounds sehnt man sich zurück. Nicht unbedingt nach Retroklängen, aber nach dieser Atmosphäre“.

Schon die erste Single „Workin’ Woman Blues“ ist ein kleiner, musikalischer Aufstand, der so klingt, als habe irgendwer Bobby Gentry in die Stax Soul Revue verfrachtet. Dann gibt es den partytauglichen Soulblues „You Can’t Be Told“, den Gospel Swing „The Hour“, um nur einige Perlen der Kette zu nennen. Valerie Junes Stimme klingt dabei mal wie die weise, alte Mother Nature, dann wie ein naives Schulmädchen auf dem Heimweg. Wie jemand eben, der wie sie noch nie mit einem Produzenten gearbeitet hat. „Ich hatte bloß eine vage Vorstellung dessen, was mir vorschwebte“, sagt June, „aber als mir die Produzenten ihre Ideen vortrugen, sagte ich mir im Stillen: Vielleicht denkst du besser ein wenig größer?“

Ein paar Jahre ihrer Jugend verbrachte Valerie June als Songbird, als „Gypsy Nightingale“ auf den Straßen und in U-Bahn-Stationen, wo sie sang und selbst gemachte Seife verhökerte. Als sie vor 13 Jahren zurück nach Memphis kam, mit 200 eigenen Songs, brachte sie sich erstmal das Spiel auf Gitarre und Banjo bei. Die Nachbarn machten Augen, „normalerweise spielt kein Schwarzer das Banjo“, lacht Valerie, „man verbindet es mit Bluegrass und Country, dabei ist es ursprünglich ein afrikanisches Instrument – und ich liebe es!“ Ihr Traum war das eigene Album, ihr Albtraum ihr leeres Konto. Für ein paar Dollar gab sie den Baby- und den Hundesitter, die vegetarische Köchin und die Altenpflegerin. Abends spielte sie sich in Bars, Clubs und Cafés, wie man so schön sagt, den Arsch ab und wurde irgendwann Teil der Bluegrass-Truppe „The Old Crow Medicine Show“, die mit Mumford & Sons getourt hatten.

Dann schlug, im Jahre 2009, das Schicksal zu. Kevin Augunas hörte ihre Stimme, flog nach Tennessee und wollte mit ihr arbeiten. „Wen möchtest du als Produzenten haben“, fragte er, und Valerie June sagte: „Dan Auerbach“. Nie zuvor hatte sie einen Plattenvertrag unterschrieben, „es hatte sich einfach nie gut angefühlt. Ich wollte keine Leute um mich haben, denen dieses eine Album vielleicht gut gefällt, die aber mit meinem anderen Zeug nichts anfangen können“. Das war jetzt endlich anders.

„Manchmal fühle ich mich so“, sagt Valerie June, „als hätte ich mein bisheriges Leben hauptsächlich damit verbracht, gegen einen Stein zu schlagen“. Mit „Pushin‘ Against A Stone“  dürfte sich das nun ändern. Valerie wehrt ab, na ja ich werde nun vermutlich nicht gleich zur nächsten Beyonce, das wird mir frühestens dann passieren, wenn ich schon sehr, sehr alt bin. So wie – Seasick Steve! Und dann kommt irgendwer zufällig vorbei und sieht mich beim Musizieren in meinem Schuppen da unten in Mississippi. Das haben doch viele erlebt, die wahrhaftige Musik machen.“ Womöglich untertreibt sie hier ein wenig, denn immerhin ist aus dem Mund-zu-Mund-Geflüster über ihre Talente inzwischen ein ziemlich lautes und internationales Gerede geworden, kurz vor dem Geschrei.

Was das alles jetzt mit ihr anstellt? „Naja“, sagt Valerie June, „wenn du mich fragst, ob du mir einen Kaffee bringen sollst, dann sage ich ohne Umschweife: ja. Schließlich war ich lange genug die jenige, die den Kaffee brachte.“

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