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Agnes Obel


Artists

Album „Aventine“ (VÖ 27.09.2013)
Single „The Curse“ (VÖ tba)

Videolink „The Curse“

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Sind wirklich schon fast drei Jahre vergangen seit „Philharmonics“? Das Debütalbum von Agnes Obel klingt immer noch so frisch wie beim ersten Hören. Eine zarte Platte, ein stilles Phänomen: bis heute fast eine halbe Million mal verkauft. „Philharmonics“ bekam eine Gold-Auszeichnung in Holland, Platin in Belgien und Frankreich, Fünffach-Platin in ihrer alten Heimat Dänemark, wo Agnes Obel 2011 auch fünf Danish Music Awards überreicht wurden.

Das zweite Album soll ja das schwierigste überhaupt sein. Dein ganzes Leben bereitest du dich aufs Debüt vor, und kaum ist das draußen, tickt schon die Uhr für den Nachfolger. Wie also hat die Gewinnerin des European Border Breakers-Preis 2012 die traditionellen Fallstricke für Album No.2 gemieden?

Mit „Aventine“ rückt Agnes Obel die Dinge jedenfalls in eine Perspektive. Das zweite Album fügt dem Bild Tiefe hinzu. Sonst steht das Debüt allein da, als brillanter Schnappschuss, aber ohne echten Fingerzeig wohin die Reise geht. Jetzt wissen wir es. Dabei hat es „Aventine“ faszinierend uneilig.  Wenn „Philharmonics“ ein Waldspaziergang war, nimmt sich dieses Album die Zeit, um die Schönheit und die Beschaffenheit eines einzigen Blatts zu sehen und zu fühlen. Und ist gerade deshalb mikrokosmisch und universell zugleich.

Alle Songs auf dem Album hat Agnes Obel zwischen Anfang 2012 und dem späten Frühjahr dieses Jahres geschrieben, arrangiert, aufgenommen und produziert, zuhause und in einem Studio in Kreuzberg. Die Fans dürften „Fuel To Fire“ und „Smoke & Mirrors“ noch aus ihren Konzerten 2011 erinnern.

Als David Bowie in den 1970ern in Berlin lebte, schrieb er die Stadt auch tief in seine Songs hinein. Es war Tony Visconti, sein Produzent, „standing by the wall“ auf “Heroes”. Agnes Obel hingegen kreiert ihre eigene Welt, oder, wie sie es nennt, eine Blase, ein Tauchgefäß, um ihre Musik zu machen. „Es ist merkwürdig“, so Obel, „als ob ich für die Musik vor der Stimmung der Stadt flüchten müsste, auch wenn ich es wirklich liebe in Berlin zu leben.“ Einmal drin (oder sollte man doch lieber „draußen“ sagen?), geht ihr Bewußtsein für das, was da gerade läuft, zunehmend verloren.

„Aventine“ dreht sich fast ganz um das Klavier und die Stimme von Agnes Obel – und das Cello von Anne Müller, die schon auf „Philharmonics“ zu hören war und seit 2009 auch zur Live-Besetzung gehört. Dazu ist auf drei Stücken Mika Posen von der kanadischen Band Timber Timbre an Geige und Viola zu hören, auf „Pass Them By“ die Gitarre von Robert Kondorossi, ebenfalls schon bekannt vom Debüt, und auf „Fuel To Fire“ die Scottish Harp von Gillian Fleetwood.  So zeichnet Agnes Obel mit kühnerem Pinselstrich auch kompliziertere Muster, ohne dabei ihre Leichtigkeit einzubüßen – ein erstaunlicher Balanceakt.

„Chord Left“, eine einladende Brücke zum Vorgänger, mündet als Eröffnung in „Fuel To Fire“, das den filmischen Ton für das Album setzt, mal ganz nah ans Knistern lodernder Flammen heranzoomt, dann wieder in weitem Abstand verharrt, bis sie nur noch zu einem winzigen, hellen Punkt in dunkler, verschwommener Landschaft verschmelzen.

„Aventine“ ist ein wundervoll melodisches Werk (auch wenn Agnes Obel behauptet, es falle ihr schwer Melodien zu schrieben).  „The Curse“ ist die erste Single. Man stelle sich einen Trailer für den Lieblingsfilm des Jahres vor. Jeden Jahres.

„The Curse“ und „Run Cried The Crawling“ sind für Agnes Obel die Songs, die „Aventine“ als Ganzes am besten definieren. „Dies sind die zwei Songs, die meiner ursprünglichen Idee für das Album am nächsten kommen. Beide sehr unterschiedlich zu dem, was ich vorher gemacht hatte, aber zugleich doch sehr damit verbunden. „Run Cried The Crawling“ bewahrt auch das kinematographische Feeling der Platte. Natürlich steht die Erwähnung von Twin Peaks längst auf dem Index, aber wenn es hier einen Song gibt, der eine wunderschöne Seeleiche heraufbeschwört, ertränkt in Geschichten…

So erlaubt uns „Aventine“, auf eine Kurve nach oben in der Flugbahn von Agnes Obel zu schließen. Ein wohl zeitloses Debüt erhält Gesellschaft von einem zweiten Album voller historischer Referenzen. Agnes Obel und ihre Musik könnten in jeder Ära zuhause sein  – knisternd in einer Fifties-Jukebox in irgendeinem Diner, beruhigend für die Sixties-Seelen der Woodstock-Generation, glänzend wie silberne Sporen im Seventies-Nashville. Man kann in ihrer Musik eine Spur verfolgen, die von Bela Bartok bis Sandy Denny reicht, von Satie bis John Lurie (und sich vorstellen, sie hätte schon die Soundtracks für frühe Jim Jarmusch-Filme gemacht…)

„Ich hörte und sah immer mehr Verbindungen in der Musik zu allen möglichen Genres aus verschiedenen Zeiten, auch außerhalb der Genres, die ich normalerweise mit meiner Musik in Verbindung gebracht habe.“ Und natürlich ist die Stimme das Herz von allem. Sie bleibt bei uns noch lange nachdem sich die Nadel von der Platte gehoben hat (für Vinyl-Freunde). „Für mich“, so Agnes Obel, „sind Sounds immer interessanter gewesen als Worte. Ich liebe es, wenn die Stimme ein Instrument wird und du fast vergisst, dass es eine menschliche Stimme ist.“

Wir könnten jetzt noch über ungewöhnliche, klassische Saitentechniken reden. Oder darüber wie das Cello eine zentrale Rolle beansprucht, zusammen mit der Stimme und dem Klavier. Wir könnten auch nach Bezügen und Verweisen in den Titeln suchen, auch in dem des Albums: „Aventine“ – der südlichste der sieben Hügel von Rom? Aber vielleicht muss man nichts mehr erklären. Diese Musik spricht für sich.

 

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